Sohnemänner

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Sohnemänner, Deutschland 2011, 103 Min., Regie: Ingo Haeb, mit Peter Franke, Marc Zwinz, Renate Delfs, Bernd Schütz, Vera Teltz, Leon Köhler, Klaus Herm, Cornelia Dörr, Sarah Kempin

Mo, 28.05., 21h


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Im Zentrum des Films steht eine skurrile Dreiecksgeschichte: Als Enkel Uwe (Marc Zwinz) von den Lebensumständen seiner im Heim lebenden Oma Hilde (Renate Delfs) erfährt, entschließt er sich, diese von Hamburg zu sich in den Schwarzwald zu holen, wo er abgeschieden mit seinem Lebensgefährten wohnt. Doch er hat die Rechnung nicht mit seinem Vater Edgar (Peter Franke) gemacht, der selbst in den Schwarzwald fährt, um die Mutter zurückzuholen. Als dann noch Edgars Lebensgefährtin samt Anhang anreist, versinkt das kleine Provinzidyll zusehends im Chaos.

Sohnemänner ist ein Heimatfilm, der keiner ist. Alle seine Figuren haben mit der ungewohnten Umgebung des Schwarzwalds zu kämpfen, ob sie es sich nun eingestehen oder nicht. Während das Kiezkind Edgar daran scheitert, abends noch eine Kneipe zu finden, scheitern Johann und Uwe an einer Überanpassung an die Provinz. Uwes Lesung von Thomas Manns Novelle Tristan scheitert an den einfachen Gemütern der Landbevölkerung. Im Gewand der Komödie gelingt es Haeb Themen wie Identität und Heimat messerscharf zu analysieren. Dabei pendelt der Film ständig zwischen Satire und Drama, driftet jedoch nie in die Beliebigkeit ab und bleibt in einem Zustand verhaftet, den man am ehesten als nachdenkliche Komödie bezeichnen könnte. Auch der Cast kann glänzen, allen voran natürlich Renate Delfs, die in der zweiten guten deutschen Komödie dieses Jahres, Ein Tick anders, ebenfalls äußerst energetisch spielte.

Als Regisseur und Drehbuchautor Ingo Haeb nach dem Film von einer Zuschauerin gefragt wurde, welche Bedeutung denn das schwule Pärchen gehabt hätte, was er damit sagen wolle, gab dieser nur lapidar zu verstehen, dass er keine Intention damit verbunden hat, dass homosexuelle Paare in unserer Gesellschaft ganz selbstverständlich geworden sind. Es sind Überzeugungen wie diese, die den Film Haebs so fundamental von dem unterscheiden, was sonst die Multiplexe dieses Landes beherrscht. Die Homosexualität wird hier – ganz im Gegensatz zu den Filmen Bullys – eben nicht instrumentalisiert und zur billigen Lachnummer. Mit großer Hingabe zeichnet Haeb seine Figuren, legt ihre Schwächen gnadenlos offen ohne sie dabei bloßzustellen.


Quelle: Negativ