Pride

Aus WikiSchwuR
Wechseln zu: Navigation, Suche

Pride, UK 2014, 120 Min., Regie: Matthew Warchus, mit Bill Nighy, Imelda Staunton, Paddy Considine

01 PRIDE.jpg

Ein Handschlag hat schon vieles besiegelt.

So auch die außergewöhnliche Liaison zweier Gruppen, die sich im Sommer 1984 in England gefunden haben: Bronski Beat trifft Gaelic Folk oder auch… eine ausgelassene Schwulen- und Lesbentruppe aus London trifft auf streikende Waliser Bergarbeiter. Irritationen beim ersten Aufeinandertreffen sind vorprogrammiert! Doch spätestens als der exzentrische Jonathan den hüftsteifen Walisern zeigt, was echtes Disco-Feeling ist, scheint das Eis gebrochen… Doch nicht in jedem Waliser finden die couragierten Großstädter einen dankbaren Verbündeten und stellen so ein ganzes Dorf auf den Kopf.

Die LGSM (Lesbians and Gays Support the Miners) sammelt für ihre Kumpel Geld in bunten Eimern und stellen sich damit farbenfroh der gnadenlosen Politik von Margaret Thatcher entgegen. Zwischen den neuen Komplizen entwickelt sich eine besondere Freundschaft, mit bis heute historischen Folgen ...

Quelle: Senator Film


PRESSESTIMMEN

Matthew Warchus ist reserviert, von englischer Höflichkeit. Er spricht überlegt, mit einer Spur von Ungeduld. Und er weiß, was er will – oder auch, was er zum Beispiel nicht über seinen Film Pride lesen will: dass der nämlich, wie jetzt die englische Presse oft schreibt, ein Feelgood-Film mit dunklen Untertönen sei.

Pride erzählt die wahre Geschichte eines Bergarbeiterstreiks in Wales in den achtziger Jahren. Eine Handvoll schwuler Londoner Aktivisten beschließt, die Streikenden zu unterstützen, sie sammeln viel Geld und fahren in die ferne Provinz. Was folgt, ist ein Zusammenstoß der Kulturen. Auf der einen Seite die Londoner Paradiesvögel in einer Ära, in der wütende Schwulenfeindlichkeit noch grassierte, auf der anderen die bodenständigen, walisischen Arbeiter, deren Minen vor der Schließung stehen. Viel gemeinsam scheinen sie nicht zu haben, außer auf jeweils andere Weise in schwierigen Umständen zu leben und gegen die unerbittliche Politik Margaret Thatchers zu kämpfen. Der Annäherungsprozess ist kompliziert, peinlich und witzig. Die komischen und tragischen Momente bleiben in Pride in einer sensibel bemessenen Balance.

Der wachsenden Hoffnungslosigkeit der Streikenden begegnen die jungen Hauptstädter mit trotzigem Schwung und gelegentlichen Party-Einlagen. So sei das Leben, sagt Matthew Warchus: ein Wechsel aus Ernst und Heiterkeit. Und das sei eben gerade nicht "feelgood". Zumindest nicht nur: "Das Wort ist sehr reduktiv, es klingt zynisch und als sei das Sujet nebensächlich gewesen, um ein möglichst großes Publikum anzusprechen." Ihm geht es aber darum, eine auch in England fast vergessene Geschichte zu erzählen, an die sich nur noch die erinnern, die damals beteiligt waren. Es sei einerseits aufregend, sagt Warchus, dass man die Vorgänge heute dem richtigen Publikum erzählen könne: "Auf der anderen Seite ist es sehr traurig, dass sie in Vergessenheit geriet. Es erinnert daran, wie Geschichte funktioniert: wie man so viel bewirken und doch fast verschwinden kann."

Marion Douglas in DIE ZEIT, 25. September 2014