Off Beat

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Off Beat, Schweiz 2011, 95 Min., Regie: Jan Gassmann, mit Hans-Jakob Mühlethaler, Domenico Pecoraio, Manuel Neuburger, Gay-Filmnacht Dez. 2011


Düstere Stimmung, kalte Novembertage in Zürich. Rapper Lukas (Hans-Jakob Mühlethaler) produziert sich mehr schlecht als recht auf der Bühne in irgendeinem Keller. Er torkelt herum, und es ist recht offensichtlich: Seine Zeit als Performer ist abgelaufen. Sein Produzent Mischa (Domenico Pecoraio) beginnt sich Sämi «Samsonite» (Manuel Neuburger) zuzuwenden, Lukas' jüngerem Bruder. In ihm sieht er eine musikalische Zukunft und holt ihn auch ins Bett. Als den beiden Brüdern klar wird, dass sie durch Mischa über die Musik hinaus als Liebhaber verbunden sind, kommt es zum Bruch und zur handfesten Auseinandersetzung. Eine Chance auch zur Klärung, zum Aufbruch für alle Drei.

Düstere Beizen, finstere Musikkeller und Hinterzimmer, Absteigen und ein Gewächshaus im Untergrund, wo Mischa seine Haschpflänzchen pflegt - das sind im Wesentlichen die Schauplätze in Jan Gassmanns Drama. Es wird gerappt, gedichtet, gesungen und gesoffen, aber das sind nur Begleiterscheinungen. Im Wesentlichen geht es Gassmann über die Musik hinaus um Beziehungen, Beschädigungen, Befindlichkeiten und brüderliche Konfrontation.

Man riecht die verrauchten Musikhöhlen förmlich, spürt die diffusen Stimmungen, erlebt Exzesse. Jan Gassmann baut auf seine Dokumentarfilmerfahrung. Er inszeniert keine Stimmungen oder Räume, sondern fängt sie regelrecht ein und lässt ihnen ihr Eigenleben. So gibt er auch den Schauspieler Freiräume, sich selber einzubringen: Hans-Jakob Mühlethaler, Komponist mit Rapper- und Schauspielerfahrung, Manuel Neuburger, ein 20-jähriger Luzerner mit Theater-Background, und Domenico Pecoraio, Theater- und Filmschauspieler (Mein Name ist Eugen), nutzen sie. Sie alle sind auf den Punkt überzeugend besetzt. Ein kantiges, ungeschliffenes Beziehungs- und Musikdrama, kein Unterhaltungsstoff, sondern ein Szenefilm hart an der Wirklichkeit.

Quelle: Rolf Breiner, cineman.ch